Zur Geschichte von Cramberg

Die urkundliche Erwähnung des Ortes Cramberg

Die älteste vorgefundene Urkunde über den Ort Cramberg stammt aus dem Jahre 1261.

Nach der Abfassung dieser Urkunde wird von dem darin genannten Ritter Heinrich, genannt Mul von Habenscheid, eine Urkunde seines Vaters vorgelegt, die seine Ansprüche bestätigt und mit dem Stempel und der Unterschrift des ehemaligen Abtes von Bleidenstadt Gottfried versehen ist.

Gottfried wird an anderer Stelle schon um 1170 genannt. Die von dem Ritter Heinrich vorgelegte Urkunde, in der Cramberg erwähnt sein muss, dürfte also etwa 100 Jahre älter gewesen sein.

Cramberg stand durch die Stifte und Klöster Prüm und Bleidenstadt von alters her in enger Verbindung zu Habenscheid; sei es kirchlich oder durch die vorhandenen Güter.

Habenscheid wird schon 790 unter dem Namen "Abothisscheid" erwähnt.

Es kann mit Bestimmtheit angenommen werden, dass aus dieser Zeit auch Niederschriften oder Urkunden über den Ort Cramberg vorhanden waren.

In einer Schrift aus dem Jahre 1779, der "Originum Nassoigarum Pars Prima Historica" wird im Zusammenhang mit anderen Orten im Einrichgau unter dem Jahre 1197 auch "Kramberc" genannt.

In der "Beschreibung des Herzogthums Nassau" des Dekan Christian Vogel aus dem Jahre 1843 ist Cramberg mehrfach erwähnt. Der Zusammenhang mit dem seit 790 nachgewiesenen Habenscheid wird herausgehoben; ein eindeutiger Nachweis für eine frühere Existenz von Cramberg ist hier aber nicht erbracht.

Die Urkunde von 1261 kann bestenfalls als die älteste vorgefundene Urkunde bezeichnet werden, sie kann aber nicht die älteste Urkunde Crambergs sein. Der Ort hat seinen Ursprung mit Sicherheit in weitaus früheren Jahren.






Die Cramberger Schule


Mit dem beginnenden 17. Jahrhundert wurden die ersten Volksschulen gegründet. Diese entstanden zuerst in den Städten, später dann in den Landgemeinden. Die Schulen unterstanden in dieser Zeit nicht dem Staat oder den Gemeinden sondern der Kirche. Schulgebäude kannte man in der damaligen Zeit noch nicht, in allen möglichen größeren Räumen oder sogar Wohnstuben wurde unterrichtet.

In einem Protokoll des Staatsarchivs steht unter dem 7.6.1730: Bereits im Jahr 1710 hat der ältere Schulmeister Seybert erklärt, dass er die Schule nicht länger in seinem eigenen Hause halten könne und wolle, es sei ein übler Geruch und der Kinder seien zu viel. Der Schulmeister Simon Seybert erklärt 1720, dass er noch immer in seinem Elternhaus Schule halte, da in Cramberg kein Schulhaus vorhanden sei.

Im Jahr 1736 wird ein Wohnhaus mit Stallungen, Garten und einer dahinter liegenden Hofraite "bis an die Schmiede" auf den heiligen Gärten für 80 Reichsthaler erworben. In diesem Gebäude ist fortan die Cramberger Schule eingerichtet. (Dieses Grundstück ist heute Hauptstraße 19)

1782 wurde in Cramberg eine neue Schule gebaut. Diese Schule befand sich vor dem Eingang zur Kirche und neben dem alten Backhaus/Rathaus an der Burgstraße. Das Gebäude wurde 1978 abgerissen; an dieser Stelle ist heute der Dorfplatz.

Etwa hundert Jahre später wurde eine neue, größere Schule mit zwei großen Unterrichtsräumen sowie zwei Lehrerwohnungen gebaut. Diese Schule fand Verwendung bis 1973, etwa zwei Jahre später wurden das Schulgebäude sowie das neu errichtete Lehrer-Wohnhaus von der Gemeinde verkauft.

Im Herzogtum Nassau wurde im Jahr 1813 die Oberleitung des Schulwesens den kirchlichen Behörden entzogen und der Regierung übertragen. Gleichzeitig wurden erstmals Prüfungen und Befähigungen für das Lehreramt verlangt. Die Führung von Schulchroniken wurde vorgeschrieben.

Die Grund- sowie die Hauptschule in Cramberg hatten Bestand bis zur Gemeindereform in Rheinland-Pfalz 1970. Ziel der damaligen Reform war es, die kleinen Dorfschulen in den einzelnen Orten aufzulösen und zu großen Schulen zusammenzuführen. Für Cramberg bedeutete dies, dass alle Schüler nach Diez fahren sollten; dort ist der Sitz der neu geschaffenen Verbandsgemeindeverwaltung, zu der auch die Gemeinde Cramberg gehört.

Wegen Überbelegung der Diezer Schulen wurde diese Eingliederung nicht verwirklicht. Die Cramberger Schüler sollten nunmehr in einer Übergangslösung in die neu gebildete Esterauschule in Holzappel eingeschult werden.

Am 1. August 1971 wechselten die Hauptschüler nach Holzappel, am 1. August 1973 folgten auch die Grundschüler. Heute, nach mehr als 25 Jahren ist von einer Übergangslösung keine Rede mehr und die Cramberger Schüler sind fester Bestandteil in der Holzappeler Schule.



Die Wandlung des Ortsnamenīs


1197 Kramberc 1261 Krampurg 1266 Crampurg
1328 Cromeburg 1336 Cramperg 1344 Cramburg
1417 Kramperg 1430 Crampirgk 1438 Krampersch
1455 Crambsbergk 1477 Krampurgk 1500 Cramperk
1561 Crambergk 1703 Kramperg 1733 Crambrich

Die häufige Formung des Namens im Mittelalter dürfte ihren Ursprung im Dialekt haben, eine einheitliche Schreibweise hatte sich zu dieser Zeit noch nicht durchgesetzt.

Erst im Jahre 1937 wird die amtliche Schreibweise auf den Namen Cramberg festgelegt; bis zu diesem Zeitpunkt wurde unterschiedlich Kramberg und Cramberg verwendet.

Die Herkunft des Namens ist nicht geklärt, es werden unterschiedliche Deutungen angeführt.

Wenig wahrscheinlich ist die Deutung Kramme = Krümmung; wegen der Krampenform des Lahnbogens, in dessen Mitte der Ort liegt.

Eine spätere Deutung war Krans, alter Name für Wacholder, offensichtlich wurde davon abgeleitet im 19. Jahrhundert das Wappentier Krammetsvogel (Wacholderdrossel) in das Gemeindewappen aufgenommen.

Möglich ist auch die Herkunft von dem Begriff Kram (Krämer = Händler). Vermutlich hatte Cramberg schon sehr früh einen Markt, der Name Märgärten oder Mergerten (Marktgärten) taucht schon in sehr alten Flurbezeichnungen auf.




Das Cramberger Wappen


Beschreibung aus dem Hessischen Ortswappenbuch
Die Ortswappen des ehemaligen Herzogtums Nassau- Nr 662:
Cramberg, Unterlahnkreis

Die Beschreibung des Wappens:
In Rot ein linkshin gewendeter goldener Krammetsvogel mit blauem Schnabel und blauen Füßen.
So der Schild in den Gemeindesigeln des 19. und 20. Jahrhunderts, Farben ergänzt.
Es handelt sich um ein redendes Wappen.
Krammetsvogel ist die landläufige Bezeichnung der Wacholderdrossel.
Das alte Sigel des Gerichts Cramberg enthält einen Schild mit durchgehendem profiliertem Kreuz und in dessen zweitem Winkel ein Kreuzchen.
Es ist der abgewandelte westerburgische Wappenschild. Der Ort hat nämlich zur Herrschaft Schaumburg gehört, die den Grafen v. Leiningen-Westerburg zustand; und nachdem durch die Teilung von 1547 eine besondere Linie Leiningen-Schaumburg begründet war, ist das Sigel entstanden.




Die Kirche

Bereits 1319 ist eine Kapelle mit eigenem Geistlichen nachgewiesen; die zweite
Kapelle entstand 1516, die heutige evangelische Kirche 1791.





Die Crampburg

Die Burg Cramberg



Im Jahre 1348 baute Ritter Heinrich von Crampurg in Cramberg eine Burg.

Diese Burg soll angeblich sehr klein gewesen sein, wie alle Burgen des niederen Adels der damaligen Zeit.

Der 30-jährige Krieg hat den Ort nicht verschont; die Burg wurde stark beschädigt und unbewohnbar.

Um 1634 haben die Spanier im Umkreis von Diez gelagert; dabei sollen viele Dörfer geplündert und vernichtet worden sein.



Die Cramberger Burg stand am Ende der heutigen Burgstraße. Die Mauerreste der Ruine sind im 18. Jahrhundert abgetragen worden, die dabei gewonnenen Bruchsteine wurden beim Bau der heutigen Kirche (1789 - 1791) mitverwendet. Letzte Überreste der Kellergewölbe sind bis in die heutige Zeit noch auffindbar.





Die Münzstätte

Cramberg war in den Jahren 1657 bis 1698 Prägestätte für eine Vielzahl von Silbermünzen. Die Herren von Schaumburg-Westerburg und Holzappel-Schaumburg ließen in Cramberg Gulden, Pfennige, Albusstrücke, Kreutzer und Batzen prägen.
Die Münzstätte ist nicht mehr erhalten, jedoch gibt es im Sammlerbesitz noch etliche Münzen.


Die Cramberger Münze

Im Jahre 1647 erhielt Peter Melander als Dank für seine Verdienste von Kaiser Ferdinand III die Bewilligung zum Bergbau, falls sich über kurz oder lang etwas dazu ergebe. Mit dieser Bewilligung wurde ihm gleichzeitig ein Münzrecht eingeräumt.

Infolge der kriegerischen Ereignisse wurde kaum Gebrauch gemacht von dem Recht; angeblich ist von den Prägungen nichts bekannt geworden. Im April 1657 wird ein Münzmeister Hettinger auf sein Amt vereidigt. Er schlug eine Vielzahl von Pfennigen, Weißpfennigen und Albus.

Ab 1683 wird der Münzmeister Conrad Bethmann aus Mecklenburg eingestellt. Die Prägungen hatten erhebliche Unzuträglichkeiten, die Münze stand fast ein Jahr still - die Frankfurter Juden wollten kein Silber mehr liefern. Eine kaiserliche Kommission führte im Jahre 1688 Vernehmungen durch, um die Unregelmäßigkeiten aufzuklären.

Als letzter Münzmeister mietete im Jahr 1696 Dietrich Zimmermann die Münze in Cramberg. Bereits ein Jahr später wurde er aufgefordert, sich vor der Kommission des Oberrheinischen Kreises wegen "Münzmalversation" zu verantworten. Seine Pacht lief 1698 ab. Die Tätigkeit der Münzstätte in Cramberg erlosch damit endgültig.

Nach mündlichen Überlieferungen soll die Münzstätte in einem kleinen Gebäude an der heutigen Oberstraße gegenüber dem alten Spritzenhaus gewesen sein. Dieses Gebäude war in massiver Bauweise errichtet. In den letzten Jahren fand es Verwendung als Hühnerstall, bevor es in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts abgerissen wurde.



Heute gibt es keine Hinweise mehr auf die Cramberger Prägestätte, Münzen jedoch sind noch vorhanden.









Das Wasserkraftwerk

1927 wurde das von den Main-Kraftwerken übernommene Wasserkraftwerk an der Lahn fertiggestellt, das noch heute zur Energiegewinnung der Region beiträgt.

Die Gemeinde liegt in der Lahnschleife „Cramberger Bogen“ rund hundert Meter über der Lahn (Höhenlage 200 m über NN).

Unter der Engstelle des Bogens wurde im Jahr 1926 ein Wassertunnel gebaut. An dem Auslauf steht das Wasserkrafwerk, das den Höhenunterschied des Wassers für die Erzeugung von Strom nutzt.

Seit 1862 fährt die Lahntalbahn durch den Cramberger Tunnel. Dieser Tunnel war mit seinen 732 Metern Länge viele Jahre der längste Tunnel in Deutschland.





Der Gabelstein

1932 hat der Cramberger „Club Gemütlichkeit" den herrlich gelegenen
Aussichtstempel auf dem Gabelstein errichtet; er ist heute noch beliebtes Ausflugsziel und bietet einen einzigartigen Blick in die Umgebung.

Die gesamte Gemarkung liegt im Naturpark Nassau. Der Bereich der stark zerklüfteten Felsen um den Gabelstein wurde zum Naturschutzgebiet Gabelstein-Hölloch erklärt.

Hier soll der vor Jahren abgewanderte Wanderfalke wieder seinen Lebensraum finden.

Die ruhige und von jeglichem Durchgangsverkehr abgeschiedene Lage des Ortes lädt zu Wanderung ein. Hierzu ist ein umfangreiches Netz an Spazier- und Wanderwegen vorhanden.





Das Tempelschen entsteht... 



Höhlen in Cramberg

In früheren Jahren wurde in zahlreichen Cramberger Gruben Dachschiefer abgebaut, ebenso wurden Vorkommen von Eisenerz ausgebeutet. Heute wird in großen Mengen Quarzkies abgebaut.
Nähere Infos gibts bei dem Höhlenamateurforscher - Adolf Reinhardt